Rehabilitation rechnet sich: Zahlen, Daten, Fakten
 
  Wissenschaftliche Studien belegen: Sparen durch Rehabilitation ist möglich

In den politischen Diskussionen, die im Resultat zu den bekannten Budgetkürzungen führten, wurde häufig darauf hingewiesen, dass diese Aufwendungen für die medizinische Rehabilitation überproportional angestiegen sind. Eine Analyse dieser Kostensteigerungen, vorgenommen durch den Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) macht aber deutlich, dass lediglich 5% dieser Steigerungsquoten durch eine erhöhte Inanspruchnahme zustande gekommen sind.

Der weitaus größere Teil der gesamten Ausgabensteigerungen ist der Einführung und dem Aufbau der Rehabilitation in den neuen Bundesländern (31%) und einem Anstieg der Leistungen für Berufsförderung (24%) zuzurechnen. Einen ebenfalls beachtlichen Anteil an den Zuwachsraten macht der demographisch indizierte Anstieg aus. Von der Gesamtsteigerung der Ausgaben für Rehabilitation in Höhe von 2.288 Mrd. Euro zwischen 1990 und 1995 entfallen 18% auf diesen demographischen Faktor. Hier wird ein Problem deutlich: Die fixierten Budgets der Krankenkassen und Rentenversicherungen für die medizinische Rehabilitation lassen eine flexible Reaktion auf die weitere demographische Entwicklung nicht zu. Eine drohende Unterversorgung - mit allen Begleitkosten für die Rentenversicherung, Pflegeversicherung und die Sozialhilfe - ist kaum mehr zu vermeiden.

Einsparpotenziale nutzen

Dabei wäre im Sinne einer Kostendämpfung im Gesundheitswesen eine gegenläufige Entwicklung vernünftig. Studien der rehabilitationswissenschaftlichen Abteilung des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger zeigen auf, dass nach einer medizinischen Rehabilitation zwei Drittel der Rehabilitanden noch mindestens fünf Jahre im Erwerbsleben bleiben. Die Hälfte der Rehabilitanden sogar 10 Jahre.

Vergleicht man den finanziellen Aufwand für die Rehabilitation mit den üblicherweise anstehenden Kosten bei einer frühzeitigen Verrentung, so verhalten sich Aufwand und Ertrag wie 1:2,6.

Bei jährlich 500.000 Erstrehabilitanden ergäbe sich durch diese Maßnahme ein durch verlängerte Beitragsentrichtung und spätere Berentung begründetes Einsparpotenzial von mehr als 8,70 Mrd. Euro.

Ähnlich verhält es sich im Bereich der Krankenversicherung. Es ist unbestreitbar, dass in der Zeit, in der medizinische Rehabilitationsmaßnahmen durchgeführt werden, gleichzeitig keine Kosten der Akutversorgung (Krankenhausversorgung, Versorgung durch niedergelassene Ärzte) anfallen können. Der Umfang dieser Einsparungen wird auf jährlich etwa 0,26 Mrd. Euro geschätzt, so dass sich medizinische Maßnahmen der Rehabilitation durch parallele Einsparungen in der Akutversorgung zu einem nicht unerheblichen Teil selbst refinanzieren.

Es gibt zwar noch keine im wissenschaftlichen Sinne fundierten Nachweise dafür, dass medizinische Rehabilitation auch in der unmittelbar an die Leistungserbringung anschließenden Zeit Kosten der Akutversorgung reduziert. Gleichwohl zeigen verschiedene wissenschaftliche Studien ernst zu nehmende Tendenzen für erhebliche Einsparvolumina in den ersten zwei Jahren nach Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme auf.

Erste Versuche, Einsparungen im Gesundheitswesen durch die Rehabilitation insgesamt zu schätzen, beziffern diese auf etwa 6,14 Mrd. Euro.

Krankheitszeiten senken

Die Vermutung, dass sich erhebliche Einsparvolumina im Gesundheitswesen durch Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation realisieren lassen, wird durch eine Beobachtung von krankheitsbedingten Fehlzeiten im Anschluss an eine Reha-Maßnahme gestützt.

Eine PROTOS-Studie von 1996 / 97 zeigt auf, dass sich die Zahl der Krankheitstage in der Indikation "Kardiologie" um 15 Tage von 50 auf 35 Tage verringerte (beobachtet wurde eine Gruppe von 829 Patienten).

In vergleichbarem Umfang dürfte sich auch die Inanspruchnahme der Versorgung durch Akut-Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte verringern.

Alleine durch die Verringerung der Krankheitstage innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Reha-Maßnahme hat sich der Zeitaufwand einer Reha Maßnahme für Patienten und Arbeitgeber beinahe vollständig "gerechnet". Diese Fakten belegen eindrücklich, dass der Präsident der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Herbert Rische, mit seiner These vollständig richtig liegt: "Es darf nicht an der Rehabilitation, sondern es muss durch die Rehabilitation gespart werden!"