Fakten - Medizinische Reha ist weder Kur noch Urlaub
 
  In der politischen Diskussion um die Spargesetze sind die Begriffe »Kur« und »Rehabilitation« weitgehend synonym verwandt worden. Die medizinische Rehabilitation und die herkömmliche Kur unterscheiden sich jedoch grundlegend.

Kuren im traditionellen Sinne stellen die Anwendung von ortsgebundenen Heilmitteln wie Quellen, Salinen, Höhen- oder Meereslagen und guter Luft in den Vordergrund. Sie sind vor allem auf die Stärkung der Gesundheit und die Beseitigung von Regulationsstörungen durch unspezifische Reize ausgerichtet und dienen damit eher der Vorbeugung von Krankheiten.

Bei der medizinischen Reha, die nur für gesundheitlich erheblich beeinträchtigte, insbesondere chronisch kranke Versicherte in Betracht kommt, ist dagegen die medizinische Behandlung und Kompensation von Funktions- und Fähigkeitsstörungen, die Motivation zur aktiven Krankheitsbewältigung, der Aufbau eines eigenverantwortlichen Gesundheitsbewußtseins und die Einübung einer entsprechenden Lebensführung von zentraler Bedeutung. Grundlage der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung ist eine gezielte Diagnostik vor und während der Rehabilitation. Neben der Erfassung der Krankheitsursachen und Risikofaktoren bezieht sich die Diagnostik insbesondere auf die Leistungseinschränkungen der Versicherten. Hierzu wird eine Funktions- und Leistungsdiagnostik durchgeführt, die eine psychosoziale und berufsbezogene Diagnostik einschließt.

Auf dieser Basis wird ein am Reha-Ziel ausgerichteter Therapieplan erstellt, in dem die einzelnen Behandlungselemente individuell auf den Versicherten abgestimmt werden. Für die Behandlung stehen qualifizierte Reha-Kliniken, aber auch zunehmend ambulante und teilstationäre Einrichtungen zur Verfügung. In der ärztlichen und pflegerischen Betreuung kommen therapeutische Verfahren aus folgenden Bereichen zur Anwendung: medikamentöse und physikalische Therapie/Physiotherapie, Ergotherapie, Gesundheitsbildung einschließlich Patientenschulung, Ernährungsberatung/Diätetik, Klinische Psychologie/Psychotherapie einschließlich Krankheitsbewältigung, spezielle funktionsbezogene Therapieverfahren und Hilfsmittel sowie soziale Beratung und Angehörigenarbeit.

Die medizinische Rehabilitation hat sich neben der ambulanten Krankenbehandlung durch niedergelassene Ärzte sowie der Krankenhausbehandlung zur dritten Säule der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung entwickelt. Ihr Stellenwert wird sich wegen der Zunahme der chronischen Erkrankungen, der demographischen Entwicklung (Stichwort: Überalterung der Gesellschaft) sowie aufgrund der Anhebung der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung in Zukunft noch weiter erhöhen.